Familiendarlehen

Dies müssen Sie beachten, wenn Sie sich von der Familie Geld leihen

In vielen Familien gehört die gegenseitige Unterstützung zur Selbstverständlichkeit. Auch das oftmals kostenfreie bzw. günstige Verleihen von Geld gehört dazu, daher ist Vergabe von Familiendarlehen keine Seltenheit mehr. Häufig werden sie jedoch mit Handschlag besiegelt, ohne jedoch zu wissen, dass das Verleihen von Geld innerhalb der Familie auch ein rechtsgültiges Geschäft ist, mit all seinen Rechten und Pflichten.

Was ist ein Familiendarlehen

Bei einem Familiendarlehen handelt es sich um ein Kreditmodell, welches ausdrücklich von und für die Familie angeboten wird. Eine Situation, in der Familien häufig auf diese Form der Geldzuwendung angewiesen sind, ist die Geburt eines Kindes und der damit verbundene Verdienstausfall. Da das Elterngeld häufig nicht ausreicht, um weiterhin den Lebensunterhalt bestreiten zu können, ist dies eine willkommene Finanzspritze.

Natürlich gibt es noch weitere Gründe, warum ein günstiges Familiendarlehen in Anspruch genommen wird. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus etwa lohnt es sich für viele, über die Aufnahme eines derartigen Darlehens nachzudenken, wie eine Umschuldung eines teuren alten Kreditvertrags.

Info:
Da ein Darlehen häufig schneller und unbürokratischer, wie ohne Schufa Auskunft, abgewickelt werden kann, ist es äußerst beliebt und findet immer mehr, die es in Anspruch nehmen.

Steuerliche Vorteile Familiendarlehen bei vermieteten Immobilien

Wird z.B. an ein Kind ein Familiendarlehen vergeben, wirkt sich das in der Regel für beide Seiten positiv aus. Beispiel: Das Kind bekommt von seinen Eltern einen höheren Betrag zur Finanzierung eines zu vermietenden Hauses. Für die Tilgung zahlt das Kind monatlich Zinsen an die Eltern.

Der Vorteil für das Kind ist, dass es in der Regel weniger Zinsen zahlen muss als bei der Bank. Die Eltern hingegen erhalten höhere Zinsen als wiederum bei der Bank. Wiederum das Kind kann als Vermieter des Haues sogenannte Schuldzinsen von den Mieteinkünften als Werbungskosten abziehen.

Hinweis:
Zu beachten ist bei diesem Beispiel, dass eine Abzugsmöglichkeit von Schuldzinsen nur bei Immobilien besteht, die auch vermietet werden. Bei Wohneigentum, in welchem auch selbst gewohnt wird, greift dieses Steuersparmodell nicht.

Noch ein weiterer Vorteil ist, dass die Zinszahlungen des Kindes für die Eltern Zinserträge darstellen, welche steuerfrei sind, wenn die Sparerpauschbeträge von 801 Euro für Alleinstehende und 1602 Euro für Verheiratete nicht überschritten werden.

Prüfung durch das Finanzamt

Das Finanzamt betrachtet Familiendarlehen aufgrund seiner hohen Anzahl an Missbrauchsmöglichkeiten eher kritisch.
Wenn ein größeres Darlehen ohne Zinsen und feste Laufzeit vereinbart wird, um z. B. die Schenkungssteuer zu sparen, muss dem Finanzamt glaubhaft versichert werden, dass es sich tatsächlich um ein Darlehen und um keine Schenkung handelt.

Des Weiteren schauen Finanzbeamte bei den Darlehensverträgen mit Angehörigen genauer hin, da beide Parteien die gleichen Interessen haben und in der Regel will der eine dem andere nicht schaden. Bei Verträgen mit Banken hingegen ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht.

Gut zu wissen:
Zu den nahen Angehörigen gehören laut § 15 der Abgabenordnung: Verwandte und Verschwägerte ersten Grades, Eheleute, Geschwister, Verlobte, Kinder der Geschwister, Ehegatten der Geschwister und Geschwister der Ehegatten, Geschwister der Eltern, Pflegeeltern und Pflegekinder.

Tipps zum Familiendarlehen

Ein Vertrag sollte erstellt werden

Ein Kreditvertrag sollte nicht per Handschlag abgeschlossen werden, sondern in Form eines schriftlichen Vertrags. Er bedarf keiner bestimmten Form, er dient jedoch zur Sicherheit beider Parteien. Das Finanzamt fordert bei der Geltendmachung von steuerlichen Vorteilen einen schriftlichen Darlehensvertrag ein und erkennt diesen nur an, wenn das Darlehen wie unter “Fremden” gewährt wurde, also ähnliche wie bei Banken.

Hinweis:
Im Gegensatz zu vielen anderen Verträgen muss der Vertrag nicht per Computer verfasst werden oder sogar von einem Notar beurkundet und beglaubigt werden. Es ausreichend, wenn der Kreditvertrag per Hand auf einem DIN-A4-Blatt festgehalten wird. Wichtig ist jedoch, dass die Handschrift gut lesbar ist, damit keine Zweifel über Echtheit und Vertragsinhalt aufkommen.

Der Vertrag für des Familiendarlehen sollte mindestens folgende Angaben enthalten:

  • Namen und Anschriften der Vertragsparteien
  • Höhe der Darlehenssumme
  • Zinssatz
  • Laufzeit Vertrag
  • Rückzahlungsmodalitäten
  • Fälligkeit Raten
  • Sicherheiten
  • Regelung über Rechtsfolgen bei verspäteten Zahlungen und eventuell auch eine Regelung über Kündigung des Kreditvertrages
  • Ort, Datum und Unterschriften von allen Beteiligten

Keine Erstellung von Scheinverträgen

Besonders misstrauisch werden Finanzbeamte, wenn im Vertrag ein zu hoher Zinssatz vereinbart wurde. Da der Schuldner diese bei einer vermieteten Immobilie von der Steuer absetzen will, liegt für das Finanzamt der Verdacht des Steuerbetrugs nahe. Die Zinsen, welche im Vertrag stehen, muss auch erfüllt werden.

Info:
Daher prüfen Finanzbeamte auch die Rückzahlung und die Erfüllung dieser Vereinbarung ganz besonders. Erweisen sich diese nämlich als Scheinvertrag, sind keine Steuervorteile, egal in welcher Höhe, mehr möglich.

Nachweisliche Rückzahlung

Wer sich dem Verdacht eines Scheinvertrags nicht aussetzen möchte, sollte die Rückzahlung jederzeit belegen könne. Auch bei evtl. plötzlich auftretenden Familienstreitigkeiten sollte immer ein Nachweis der Rückzahlung bestehen. Daher empfiehlt es sich, Rückzahlungen ausschließlich über ein Bankkonto per Überweisung abzuwickeln. Der gesamte Geldfluss kann somit nachgehalten und bewiesen werden. Zahlungen in bar sollten vermieden werden. Vor allem wenn steuerliche Vorteile geltend gemacht werden sollen.

Wichtig:
Darlehen innerhalb der Familie sind zwar verbreitet, sorgen aber leider auch für Streitigkeiten, wenn das Darlehen zurückgezahlt werden soll. Daher sollte der Geldfluss stets nachgewiesen werden.

Separate Bankkonten

Aus den vorher genannten Gründen empfiehlt es sich, dass jeder der Parteien über ein eigenständiges Bankkonto verfügen sollte. Zwischen Zahlungsempfänger und Zahlendem darf nicht die gleiche Kontoidentität bestehen.

Restschuldversicherung

Spätestens bei Summen im hohen vierstelligen Bereich oder weit darüber hinaus, die sogar ohne Sicherheiten abgeschlossen werden, raten Banken zum Abschluss einer Restschuldversicherung. Diese sind bei Kreditvergabe von Banken üblich. Bei kleinen Beträgen ist sie noch frei wählbar, jedoch spätestens beim Kauf einer Immobilie ist diese bei Banken Pflicht.

Aufgrund des hohen finanziellen Risikos, lohnt es sich, auch hier nochmals genau hinzusehen und in Erwägung zu ziehen. Wird die Versicherung bei einem Bankkredit abgeschlossen, wird in der Regel die vorgeschlagene Versicherung der Bank genommen. Bei einem Familiendarlehen ist diese hingegen frei wählbar.

Hinweis:
Der Kreditnehmer hat jederzeit das Recht, nach Policen mit besseren Konditionen und Versicherungsschutz zu suchen. Zu prüfen ist vor allem, wie sich die Versicherung bei Ausfällen der Tilgung verhält und wer bei der Rückzahlung haftet.

Außerdem sollte noch eingeschlossen werden:

  • vorübergehende bzw. dauerhafte Arbeitsunfähigkeit der Kreditnehmer
  • Arbeitslosigkeit des Kreditnehmers
  • Tod des Versicherungsnehmers
  • Umsatzausfälle bei Krediten für das Familienunternehmen

Im Normalfall gestaltet sich die private Darlehensvergabe und Rückzahlung innerhalb der Familie problemlos. Treten jedoch Unstimmigkeiten u. a. bei der Tilgung auf, so werden nicht selten auch Rechtsanwälten eingeschaltet. Um dies zu vermeiden, sind bestimmte Formen einzuhalten. Werden dazu noch steuerliche Richtlinien befolgt, steht dem kostengünstigen Darlehen nichts mehr im Wege.